Trümmern

Dem Sozialen wohnt eine eigene Trägheit inne. Geht man, trümmern Autos vorbei. Autos als bewegter Schrott aus einer vergangenen Zeit. Nichts Organisches wohnt ihnen inne. Sie donnern neben den Häusern in denen man leben könnte. Irgendjemand fährt irgendwohin. Trümmer des Vergangenen wabern durch die Gegenwart. Menschen ohne Gedächtnis halten an Vergangenem fest. Menschen ohne Blick starren kalt auf Dinge die es nicht gibt. Nehmen sich ernst, bedauern nichts, nicht mal sich selbst, sind nie Hier und besetzen Räume die sie nicht kennen. Wundern kann man sich wie breit sie sich machen ohne erfüllt zu sein. Eigentümlich wird das Eigene das Platz braucht. Ausbreiten kann man sich in den Zwischenräumen und das Wort „Ich“ so sein lassen. Sein lassen kann man auch das Trümmern, die Gedächtnis- und Blicklosen, das Vergangene genauso wie das Soziale. Immer ist man Hier, immer ist Jetzt. In dem was die Menschen tun spürt man was Menschen vor ihnen getan haben. Man kann nicht sagen sie hätten nichts gelernt, sie tun was sie gelernt haben. Das ist die Trägheit. Und so tut man auch. Freuen darf man sich über die, die einen aus dem Schritt bringen und einen im selben Moment auffangen. Jeder wäre diese.

Das Erlernte bindet die Hände. Sie sind nicht offen um aufzufangen, um zu tragen. Die Nervosität, die sich im Gesicht zeigt, macht die Hände unfrei. Das Erlernte, das aus der Vergangenheit kommt, sucht nach einem Anschluss und findet allzu oft keinen. So bleibt es stecken, lässt die Augenbraue zucken und die Hände wirbeln. Getrieben vom Wunsch Bedeutung zu machen übersieht es was schon hier gewesen wäre. Eine Leere, die nichts aufnehmen, nichts halten kann ist die Folge. Eine Leere ohne Raum und Vorstellung. Eine Leere, die schwer ist und nichts unberührt lassen kann.

Und doch geht man. Die falschen Begriffe, die richtigen Begriffe mit falschen Bedeutungen machen den Schritt schwer. Mit jedem schweren Schritt trägt man das Schwere in die Leere. Den leichten Schritt, der berührt und gleichzeitig sein lässt, der fortbringt und mitnimmt, hat man nicht gelernt. Donnern soll der Boden. Umso schwerer die Trümmer, desto leichter glaubt man sich. Die Räder der Autos, die uns nur scheinbar fortbringen und mitnehmen, geben uns die Illusion der Geschmeidigkeit. Gefederter, schwerer Schrott, der einen Start hatte und überall ein Ziel vermutet. Durchfahrene Ziele versinken in neuen Asphaltschichten. Das zu entdeckende Geheimnis liegt immer im Voraus. Und doch deckt sich nichts. Nichts kann ent-deckt werden, nur gefunden. Es gibt kein Geheimnis. Bedeutung findet man. Eine andere Art von Leere, eine echte Leere kann das Ganze tragen. Sie ist frei wie es auch unsere Hände werden können. Unser Gesicht kann zur Ruhe kommen. Hier ist nicht Dort. Voraus ist immer Dort. Unterscheiden zu können bedeutet intelligent zu sein. Im Unterschied findet man nichts außer mehr Unterschied. Eine unterschiedene, zerteilte Welt trägt nicht, kann nicht getragen werden. Als Teil einer ganzen Welt spüren wir das Schwerelose.

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